Nach den aufregenden Ereignissen der letzten Tage genießen unsere Abenteurer die Spätsommertage in Gondalis. Das Stadtleben mit seinen Annehmlichkeiten verlockt zu Einkäufen und Streifzügen, die noch lauen Abende zum Ausspannen und dem ein oder anderen Glas Wein.
Da Jali allerdings weiterhin ganz regulär sein Kontor führt, trägt er eine Bitte an die Freunde heran. Aus Brynntal, einer kleinen Stadt in der Arwinger Mark, erwartet er eine der letzten Lieferungen Silber dieses Jahr. Normalerweise macht er sich selbst die Mühe, nach dem Rechten zu sehen, aber dieses Mal würde er gerne auf die Hilfe der kleinen Gruppe zurückgreifen. Gegen ein kleines Entgelt bittet er sie, die Reise nach Brynntal zu machen, vielleicht Informationen zu senden, was zum Winter noch in Brynntal benötigt wird und schlussendlich die letzte Lieferung nach Gondalis zu geleiten.
Einem kleinen Auftrag nicht abgeneigt, willigen die Charaktere ein und die Vorbereitungen werden getroffen. Jali organisiert Pferde bzw. Ponys für den Weg und gibt jedem bereits 10 Lunare für die Mühe mit. Für Gorum ist es eine gute Möglichkeit, seine Ausbildung wieder zum Einsatz zu bringen und zu erweitern, so reist auch er gerne mit.
Die Reise selber verläuft ohne große Ereignisse, aber die Veränderung vom eher milden Klima Mertalias hin zum rauen und schon im Herbst angekommenen Teil Selenias am Kynhold ist deutlich spürbar. Am dritten Tag bereits erreicht die kleine Schar nachmittags das Städtchen Brynntal. Die hölzerne Palisade scheint im Umbau zu einer steinernen Stadtmauer, die Fachwerkhäuser sind gepflegt und durchaus wohlhabend. Tandra, Gorum, Luen und Yújián werden freundlich von der Stadtwache gegrüßt, als sie die Stadt betreten. Eine große Statue eines Mannes, welcher eine Kette zerreist, ziert den zentralen Marktplatz. Doch haben sich unter seinem Blick viele Menschen um zwei streitende Männer versammelt. Die gut gekleideten Mitglieder zweier einflussreicher Familien brüllen sich lautstark an. Die Hände liegen bereits an den großen Dolchen. Eine junge Frau in der Kleidung einer Gunwar Priesterin versucht, den Streit zu schlichten.
Kurzentschlossen geht Luen zwischen die Streithähne und wirkt beruhigend auf alle Beteiligten ein. Zumindest die Gefahr einer gewaltsamen Auseinandersetzung ist dann schon einmal gebannt. Auch die anderen Freunde versuchen erst einmal die Situation zu verstehen und zu entschärfen.
Die streitenden Männer sind zwei Angehörige der beiden mächtigsten Familien in der Stadt, der Felsentals und der Dunkelgrunds. Beide beanspruchen offensichtlich den in die Statue gemeißelten Wahlspruch "Freiheit im Herzen" für sich und sind (mal wieder) in Händel geraten. Den umstehenden Zuschauern nach nicht zum ersten Mal.
Mitten in den Gesprächen zerreißt ein tiefes, bedrohliches Donnern das Gemurmel. Die Erde beginnt, sich zu schütteln und die Häuser wanken bedrohlich. Die versammelte Menge schreit panisch auf und flüchtet. Einige Sekunden hält das Beben an, wirft Mensch und Tier zu Boden, Dachziegel fallen herunter, Fenster zerbrechen. Dann, ein Schlag! Staub wird aufgewirbelt und die große Statue beginnt, sich zu neigen! Genau in Richtung der Priesterin fällt sie!
Mit einem Sprung kann Luen sie gerade noch zu Boden reißen und in Sicherheit bringen, bevor die Priesterin erschlagen wird. Die Statue streift nur seinen Rücken. Auch die beiden Streithähne konnten sich retten.
Als der Staub sich etwas legt, müssen alle erkennen, dass eine Hausfront nachgegeben hat und eingestürzt ist. Man hört weinende Kinder, schmerzerfüllte Schreie der Erwachsenen und die Rufe nach geliebten Personen.
Die Abenteurer müssen nicht lange gebeten werden und alle machen sich sofort daran, zu helfen. Gorum macht sofort seine Verbände und medizinischen Utensilien bereit, um die herbeigeeilten Heiler zu unterstützen. Schnittwunden müssen versorgt, Knochen gerichtet und Prellungen versorgt werden. Yújián und ihr treuer Wolf beginnen sofort mit der Suche nach Verschütteten, auch Tandra hilft mit kräftigen Händen dabei. Luen kümmert sich um verängstigte Personen, beruhigt wo er kann und tröstet erschrockene Seelen. Leider können zwei junge Menschen aus Brynntal nur noch tot geborgen werden, allen anderen Verletzten bietet die Gunwar Priesterin Iriane Zuflucht im Schrein.
Der Wirt des einzigen Gasthauses am Ort dankt auf seine eigene Weise mit kostenfreien Getränken, Speisen und Obdach für alle, die es benötigen.
Am Abend nach vielen Stunden Arbeit ist der Schutt beiseite geräumt, sind alle Verletzten versorgt und die meisten Helfer sitzen ruhig bei einem Bier im Schankraum des Gasthauses. Leise werden Gespräche geführt und die Stimmung ist gedrückt. Auch Iriane Dunkelgrund, die Gunwar Priesterin, kann sich endlich den Abenteurern vorstellen und gesellt sich zu ihnen. Eine Sorge belastet sie sehr.
"Wir haben in den Bergen eine Silbermine und unsere Arbeiter leben auch während des Sommers dort oben. Ich mache mir Sorgen, dass auch sie von dem Beben getroffen worden sind und vielleicht Hilfe benötigen. Normalerweise würde ich die Stadtwache schicken, aber hier unten wird noch jede Hand gebraucht, um die beschädigten Häuser zu sichern und zu reparieren." erklärt sie den Freunden. "Ihr scheint mir sehr tüchtig und es wäre schön, wenn ihr zumindest dort oben nach dem Rechten sehen könntet. Es soll auch zu eurem Schaden nicht sein." Iriane breitet eine Zeichnung auf dem Tisch aus auf welcher der Weg zur Mine dargestellt ist.
Da sie zur Eile drängt und mit ein wenig Anstrengung die Strecke in zwei Stunden zu schaffen scheint, brechen die Abenteurer noch am Abend mit einem Packtier im Schlepptau auf. Einige Vorräte und Dinge wie Leinenverbände hatte Iriane schon vorbereitet, damit die Bergleute auch versorgt werden können. Zwar halten einige Steinstürze und Schäden nach dem Erdbeben sie etwas auf, aber nach zweieinhalb Stunden erreichen die Freunde tatsächlich das kleine Tal, an dessen Ende die Mine zu erahnen ist. Ein großes Lagerfeuer brennt vor dem Eingang und beleuchtet einige Gestalten und Hütten.
Wie sich herausstellt, haben einige Arbeiter die Flucht nach draußen geschafft, als das große Beben einsetzte. Einige sind leicht verletzt, der Minenleiter allerdings ist bewusstlos und schwer verletzt. Der Vorarbeiter Fingorn, seines Zeichens Varg, spricht für die gesammelten Arbeiter.
"Welch ein Glück, dass ihr hier herauf gekommen seid! Wir wollten bereits Hilfe holen, aber keiner von uns könnte den Weg im Moment bestreiten."
Während die Abenteurer die Verletzten versorgen, erzählt Fingorn von ungewöhnlichen Vorgängen der letzten Tage in der Mine. Krabbelnde Riesenassel, Grabbeißer genannt, waren ungeheuer aggressiv und ließen sich kaum vertrieben. Sonst huschen sie eher von dannen, wenn man sie scheucht. Auch wirkte ihr Minenleiter seltsam abwesend und unkonzentriert. Er ließ an völlig neuen Stellen graben, die für alle Arbeiter unlogisch wirkten.
Beim Beben selbst wurde in Teil der Mine wohl geflutet und einige Arbeiter werden nun noch vermisst. Eventuell sind sie einfach vom Wasser eingeschlossen oder durch einen Erdrutsch gefangen. So beschließen unsere Charaktere, noch in der Nacht in die Mine einzudringen und die Vermissten zu suchen.
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