Mittwoch, 30. März 2016

Die Reise beginnt in Gondalis oder Gejagt!

Vor den Toren von Gondalis, der Stadt des Glücksspiels und des Geldes im mertalischen Städtebund, treffen sich vier Individuen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Der Zufall führt sie zusammen, denn jeder hat seine Geschichte und teilweise schon viele Meilen der eigenen Reise hinter sich.
Nun sitzen die Zwergin Tandra, die beiden Menschen Yùjiàn und Luen und der einheimische Gnom Gorum noch kurz in einer krude eingerichteten Taverne noch vor den Stadttoren beisammen bevor es weiter zu Abfertigung an den Toren gehen soll. Der Tag neigt sich dem Nachmittag entgegen und es hat sich bereits eine Schlange von Menschen, Alben, Vargen, Zwergen und Gnomen gebildet, die darauf warten, von den Stadtwachen gegen einen Tribut eingelassen zu werden.
Kleidung und Erscheinung haben umstehenden Beobachtern schnell verraten, dass die Dame Yùjiàn und der Herr Luen aus dem fernen Zhoujiang zu kommen scheinen oder zumindest einer benachbarten Gegend. Die Zwergin Tandra verrät allein schon durch ihr Äußeres und ihren schweren Kriegshammer ihren Status als Kriegerin, während der junge Gnom Gorum in der Stadt als Geselle eines fähigen Alchimisten bekannt ist. Ihn führten an diesem Spätsommertag Auslieferungen und Einkäufe von Rohstoffen aus der Stadt. Immer hilfsbereit und freundlich nahm er sich der Fremden an, die etwas hilflos und noch ziellos wirkten.
Geschickte Worte Luens und ein wenig Handgeld stimmen schließlich die Wachen günstig und ohne größere Verzögerungen kann die Gruppe ihren Weg in die Stadt fortsetzen.
Auf die Empfehlung Gorums und einer der Wachen (Alrik) kehren die drei Reisenden in der Lachenden Möwe ein. Ein kleines, aber feines Gasthaus in der Mittelstadt, nicht weit von der Werkstatt, in welcher Gorum seinem Tagwerk nachgeht. Die schöne Gnomin Melissa, die als Schankmaid im Gasthaus mithilft, entpuppt sich als Gorums Schwarm.
Am gleichen Abend noch spricht die Gruppe beim Abendessen ein älterer Zwerg an, der sich als Rimbarik vorstellt. Er arbeitet bei seinem guten Freund Jali in dessen Kontor. An diesem Morgen ist Jali nicht zur Arbeit erschienen, was er noch nie gemacht hat. Da Jali oberhalb seines Kontors auch wohnt, hat er natürlich in der Wohnung nachgesehen, aber seinen Freund nicht angetroffen, das Bett erschien unberührt.
"Ich weiß, dass Jali manchmal abends ausgeht, etwas essen und trinken, aber er ist morgens immer pünktlich. Also habe ich mit den Stadtwachen gesprochen. Alrik hat gesagt, ihr könntet mir vielleicht helfen. Ihr müsst verstehen, dass eher unbekannte Gesichter sich in Gondalis besser umhorchen können, als ich. Münzen regieren hier mehr als der Städterat und ich kann im Moment wenig ausrichten, befürchte ich." Der Zwerg wirkt verzweifelt und ernsthaft besorgt um seinen jüngeren Freund.
So entschließen sich die vier, sich die Sache zumindest einmal anzusehen und Jalis Kontor zu besuchen. Schnell stellen auch sie fest, dass weder etwas durchsucht wurde, noch ein Kampf stattfand. Aber eine Art Tagebuch wird gefunden, welches allerdings magisch verschlüsselt ist, was Jali noch nicht einmal mit den Handelsbüchern gemacht hat. Rimbarik kann lediglich anbieten, das Tagebuch entschlüsseln zu lassen bei einem Lohnmagier seines Vertrauens.
Am nächsten Tag zur Mittagszeit kehrt Rimbarik mit dem Tagebuch zurück und die Gruppe kann Jalis Notizen untersuchen. Schnell stellt sich heraus, dass Jali wohl mehr Interessen als nur sein Kontor hatte. Viele Beobachtungen, Gerüchte und Geschichten über die Mächtigen der Stadt finden sich in diesem Buch. Einige Informationen griff er wohl beim Spielen im Goldenen Würfel auf und traf dort auch regelmäßig zwei Personen.
Daher statten die Abenteurer diesem Lokal einen Besuch ab und erfahren viel interessantes über die Stadt, Jali und sein Verhalten, was aber nicht wirklich ungewöhnlich oder verdächtig erscheint. Jedoch kann sich der ein oder andere an einen vielleicht illegalen Hundekampf in der Nacht von Jalis Verschwinden erinnern. Zumindest gab es ein lautes Gebell und Toben in der Nacht.
Das erinnert die Truppe an einen Vorfall mit einem riesigen schwarzen Hund, vom dem einerseits Jali Rimbarik berichtete und andererseits etwas im Tagebuch erwähnt wurde. Dabei kann sich keiner daran erinnern, dass der Gnom irgendwie nicht gut mit Tieren könnte.
Ins Scheinwerferlicht wird auch eine Persönlichkeit gerückt, die in der Stadt nur "der Baron" genannt wird. Auch Jali schien sich sehr für ihn zu interessieren, weswegen er ein Fest auf dessen Anwesen beobachtete, bei dem er auf sehr große Distanz von eben jenem schwarzen Hund angebellt wurde.
Mit ihrem neuen Wissen treten die Charaktere schon spät abends den Rückweg zur Herberge an, als sie einer Gruppe der "Dalmarier", einer Unterwelt-Bande, begegnen. Diese wollten die Abenteurer wohl überfallen um ihnen einen Denkzettel zu verpassen, was aufgrund der guten Aufmerksamkeit der Charaktere misslang.
Statt einer gewaltsamen Auseinandersetzung entwickelt sich nach und nach ein fast entspanntes Gespräch, was klar stellt, dass zwar Nachforschungen im Unterweltbereich nicht erwünscht sind und mit kruden Mitteln geahndet werden, aber Jali eigentlich einen guten Ruf genießt. Die Dalmarier scheinen also eher eine Sackgasse bei den Ermittlungen zu sein. (Ich als SL muss mal dringend die exorbitanten Diplomatie Werte der Charaktere im Auge behalten :-))
Nach einer ereignislosen und erholsamen Nacht nimmt die Gruppe das Anwesen des Barons unter die Lupe. Im besten Viertel der Stadt angesiedelt und mit viel Grün umgeben residiert dieser ehemalige Adlige (der Adel wurde nach einer recht blutigen Revolution im mertalischen Städtebund abgeschafft) direkt an einer Klippe zum Meer. Das Haus ziert eine große Kuppel und Prachttreppen führen in den Garten. Häufig nimmt der Baron Künstler und Schausteller unter seine Fittiche, welche auf dem Gelände wohnen dürfen. Zur Zeit ist es wohl eine ganze Gruppe von fahrenden Künstlern, welche die Gunst des reichen Mäzen genießt. Ein kurzes Geplauder mit den Wachen am Tor enthüllt tatsächlich die Existenz eines riesigen schwarzen Hundes, der vom fahrenden Volk betreut wird. Woher er stammt, bleibt unklar. Zumindest sind im Moment weder Hausherr noch fahrendes Volk auf dem Gelände.
Kurzer Hand beschließt der verwandlungsmagisch begabte Gorum, seine Mausform zum Ausspionieren des Hauses zu nutzen. Und tatsächlich entdeckt er den angeketteten Jali in einer Art Keller-Raum, der zum Verlies umfunktioniert wurde. Warum und wofür das ganze, bleibt weiterhin unklar.
Nach kurzer Beratung entschließt sich die Gruppe, sofort zu handeln. Mit etwas Geschick, einem Gnom in Mäusegestalt und leisen Füßen, befreien sie Jali aus seiner misslichen Lage. Er ist unverletzt, aber erschöpft und weiß ebenso wenig wie die Abenteurer, warum er hierher gebracht wurde.
Auf dem Rückweg muss die kleine Schar durch einen großen Teil der Mittelstadt und dort begegnen sie den Fahrenden, die offensichtlich gerade in einer Vorstellung sind. Die Situation wird bedrohlich, als der Varg vom fahrenden Volk von einem riesigen schwarzen Hund fast über den Platz geschleift wird. Der Hund tobt und geifert, seine Augen leuchten in einem eisigen Blau. Er stürmt direkt auf die Abenteurer zu, so dass der Varg, der dessen Kette hält, sich gezwungen sieht, einfach loszulassen.
Die umstehenden Leute flüchten erschreckt und schreiend, die Charaktere und Jali bleiben allein zurück, im Angesicht eines monströsen Untiers.
Nach einem harten aber kurzen Kampf legt sich der Staub. Jali wurde beschützt, die Charaktere überstehen den Kampf etwas verletzt und das Untier wurde nieder gestreckt. Das fahrende Volk hat die Flucht ergriffen und die Versorgung Jalis hat erst einmal Vorrang vor etwaigen Rachegedanken.
Rimbarik ist natürlich überglücklich, seinen Freund wieder zu sehen und lässt sich mit Erstaunen die Geschichte erzählen. Ein wenig Nachforschen lässt zumindest erahnen, dass dieses schwarze Ungetüm kein natürliches Wesen war und eher den Götterdienern zuzuordnen ist. Was auch immer der Baron mit Jali anstellen wollte, es lässt nichts Gutes erahnen.
Um die Rechnung zu begleichen, wird sich die Gruppe der Charaktere in der Öffentlichkeit gut sichtbar für den Baron zeigen, zusammen mit Jali. Einige Einflussnahmen des Gnoms sorgen zusätzlich dafür, dass der Baron schließlich erst einmal die Stadt verlässt.
Belohnt wurden die Charaktere mit 10 Erfahrungspunkten und den versprochenen 4 Lunaren von Rimbarik.

Nach einem noch unvollendeten Abenteuer und einem kleinen Auftaktabenteuer ist dieses mein erstes Szenario gewesen, zu dem ich einiges erst noch entwickeln musste. Das Szenario ist zwar bereits von Haus aus gut ausgestaltet, aber eben nur ein Szenario, kein voll ausgearbeitetes Abenteuer. Viele Dinge habe ich improvisiert, damit der Ablauf der Geschehnisse straff bleibt. So blieb allerdings das eigentlich Geheimnis ungelüftet. Vielleicht wird das Thema einer anderen Geschichte.